Vom Band zum Dreieck - Jungsteinzeitliche Identität im Umbruch

Sonderausstellung im Museum Herxheim vom 29. Juni bis zum 14. Oktober

Vor etwa 7000 Jahren geschah im jungsteinzeitlichen Herxheim etwas Einzigartiges: In einem rätselhaften Ritual töteten Menschen der bandkeramischen Kultur hunderte ihrer Mitmenschen aus den Bergen, zerlegten sie, zerschmetterten akribisch die Knochen und deponierten diese Überreste in einem doppelten Graben; zusätzlich wurden zahllose wertvolle Gegenstände wie reich verzierte Keramik und kostbare Steinwerkzeuge absichtlich zerstört. Identitätskrise? Ein letztes Opfer für die Götter in einer ausweglosen Situation? Tabula Rasa?

Das Museum Herxheim geht diesen Fragen in zwei Ausstellungen nach:

Die erweiterte und neu eröffnete Dauerausstellung zeigt den neuesten Stand der wissenschaftlichen Forschung. Von der Tuch- und Keramikproduktion über Werkzeug und Hausbau bis hin zu den Bestattungssitten bietet sie einen umfassenden Einblick in die Welt der sogenannten Bandkeramik. Dem bislang einzigartigen Zerstörungsritual ist ein eigener Bereich gewidmet, der es in all seinen Facetten beleuchtet. Viele Fragen bleiben noch – vielleicht für immer ungeklärt –, auf andere gibt es bereits spannende Antworten.

Die Sonderausstellung „Vom Band zum Dreieck“ dreht sich um Identität in der Gesellschaft und die Frage danach, wie es nach dem Herxheimer Ritual weiterging. Die Menschen des folgenden Mittelneolithikums pflegten andere Handelsbeziehungen, veränderten die Ornamentik auf ihren neuartig geformten Gefäßen und legten zum Teil mehr Wert auf Jagd und Viehhaltung. Was geschah mit der Bandkeramik? Wer waren die Gemeinschaften, die von Archäolog*innen Hinkelstein-, Großgartacher und Rössener Kultur genannt werden?

Programm

Vernissage: 29. Juni 2018 um 18 Uhr

Ausstellungs-Einführung (Dr. Andrea Zeeb-Lanz)
Musik: Shire Door

Abschlussvortrag: 12. Oktober 2018 um 19 Uhr

„Bandkeramik – und was dann? Die Entwicklung des Mittelneolithikums in Herxheim und der Pfalz“ (Dr. Andrea Zeeb-Lanz)

 

*****

XIV | XVIII. Die Fotografie und der Erste Weltkrieg

Eine Ausstellung von Museum Herxheim und La Chambre, Straßburg

2. Februar bis 22. April 2018

1918: Am Ende eines vierjährigen weltweiten Konflikts blickt Europa auf Zerstörung, Vernichtung und Tod. Ein bislang beispielloser Krieg erschüttert die Ordnung am Beginn des 20. Jahrhunderts und  traumatisiert Millionen von Menschen. Das Denken und Fühlen ganzer Generationen ist davon dauerhaft beeinflusst. Heute noch hat man das Bild dieser Männer mit ratlosen Blicken vor Augen, die für Monate in Gräben gesperrt und von feindlichen Angriffen bedroht wurden. Das Bild von Stacheldraht, verwüsteten Landschaften und geschundenen Leibern.

In dieser Zeit erlangte die noch junge Fotografie einen neuen Stellenwert. Ihre Nutzung vervielfältigte sich, ihre Bedeutung als Medium nahm zu. Der Erste Weltkrieg war einer der ersten modernen Konflikte, der mit Bildern breit dokumentiert wurde. Ob es sich um den Alltag der Zivilisten und der Soldaten in diesen vier Jahren oder um Propaganda und andere strategische Nutzungen handelte, die Fotografie entwickelte neue Techniken und Ausdruckformen.

In einer einzigartigen grenzüberschreitenden Ausstellung widmet sich das Museum Herxheim dem zeitgenössischen Blick dieses vor 100 Jahren zuende gegangenen Krieges. Die Ausstellung wurde bei La Chambre in Straßburg entwickelt und beruht auf dem regionalen fotografischen Erbe im damaligen deutschen Elsass-Lothringen. Sie erzählt vom Leben in Gräben bis zum Alltag im Hinterland, zeigt die offiziellen Fotos und persönliche Erinnerungen. Die Bilder sind ein direktes Zeugnis dieser Zeit und ihrer Herausforderungen und eröffnen zwei Blickwinkel: den deutschen und den französischen – zwei Sichtweisen auf die Schlachtfelder, den Alltag der Soldaten, das Leben abseits der Front, die Anstrengungen der Zivilbevölkerung sowie die Schmerzen. Zwei Sichtweisen, die sich kreuzen, ineinander übergehen, sich einst gegenüberstanden und doch so sehr ähneln.

Vernissage: Freitag, 2. Februar, 19 Uhr

Begrüßung: Lhilydd Frank (Museum Herxheim)
Grußwort: Reinhard Bayer (Erster Beigeordneter Ortsgemeinde Herxheim)
Einführung: Bernard Klein (Centre de Rencontre Albert Schweitzer Niederbronn-les-Bains)
Rezitation: Gabi Kunze
Musik: Vera Kröper (Sopran) und Daniel Kaiser (Piano)

„Friedenswege“ – Lesung mit Musik: So., 11.3.18 um 17 Uhr

Mit Michael Landgraf und Uli Valnion.
Achtung, Veranstaltungsort geändert! Die Lesung findet aus Platzgründen in der Villa Wieser statt, nicht im Museum.
Mit seinem Roman „Felix zieht in den Krieg“ lenkt
der Schriftsteller Michael Landgraf den Blick auf die
Begeisterung, mit der vor rund 100 Jahren junge
Menschen in den Krieg gezogen sind. Anlässlich
des Gedenkens zum Ende des Ersten Weltkrieges
erinnert er mit Auszügen aus seinem Buch und mit
Texten aus der Zeit an die Friedenshoffnung damals,
aber auch an das Aufkeimen nationalistischer
Kräfte infolge des misslungenen Friedensvertrages
von Versailles. Der bekannte Liedermacher Uli
Valnion präsentiert hierzu klassische Friedenslieder,
die an die Zeit erinnern, und eigene Kompositionen.

Eintritt: 7 €

„Der Erste Weltkrieg – die ‚Urkatastrophe‘ Europas“ - Vortrag am 19.  April, 18 Uhr

von Dr. Walter Rummel, Leiter Landesarchiv Speyer

Der amerikanische Diplomat George F. Kennan hat den Ersten Weltkrieg 1979 sinngemäß als 'Urkatastrophe Europas' bezeichnet. Mit diesem Krieg ging nicht nur eine jahrzehntelange Friedenszeit zu Ende, sondern es ging das gesamte alte Europa des 19. Jahrhunderts zugrunde. Auch wurde zum ersten Mal die ganze Gesellschaft mit ihrer Produktion von Waffen, Lebensmitteln und anderen Ressourcen miteinbezogen.

So verursachte der Krieg nicht nur Millionen von Gefallenen und Verwundeten und ungeheure Sachschäden in den direkt betroffenen Ländern (besonders in Frankreich, Belgien und Russland), er leitete über die Belastungen, welche die 'Heimatfront' zu tragen hatte, in Deutschland einen so noch nicht gekannten politischen Zusammenbruch ein - die Revolution von 1918, in deren Gefolge alle Fürsten abdankten. Die Enttäuschung darüber, dass alle Opfer umsonst waren und dass der Versailler Vertrag Deutschland als Hauptschuldigen darstellte und mit schwersten Reparationszahlungen belastete, waren schließlich entscheidende Voraussetzungen für den Aufstieg des Nationalsozialismus.

Der Vortrag wird den allgemeinen Verlauf des Krieges schildern und am Beispiel einer pfälzischen Familie die konkreten Folgen für das Familienleben.

Eintritt: frei