Tabakgenuss und Propaganda im 'Weltkrieg' Friedrichs des Großen

Eine neue Schenkung bereichert den Bestand des Museums Herxheim: Eine "Iserlohner Tabakdose" des 18. Jahrhunderts. Ab 15. Januar stellt das Museum diese reich verzierte Messingdose als "Besonderes Objekt" aus.

Die Bilder auf Deckel und Boden der Dose ermöglichen uns spannende Einblicke in eine Geschichte von Genuss und Propaganda zur Zeit Friedrichs des Großen und eines auf nahezu allen Kontinenten ausgetragenen "Weltkrieges":

 

Ab den 1750er Jahren stellte der Graveur Johann Heinrich Giese Tabakdosen aus Messing industriell her. Diese expressiven „Iserlohner Tabakdosen“ sind Beispiele politischer Propaganda.

Die Iserlohner Tabakdose des Museums Herxheim – eine Schenkung von Ursula und Fritz Roland, Landau – zeigt auf dem Deckel ein Hüftbildnis des Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel (1721-1792); außerdem eine Kartusche zum Sieg Ferdinands bei Vellinghausen 1761 sowie das Niedersachsenross. Die Unterseite trägt drei Kartuschen mit Reitern: links Marschall Daun, rechts Friedrich II.; die Beschriftung im Zentrum ist abgerieben und unleserlich.

Während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) war Herzog Ferdinand Generalfeldmarschall in preußischen und britisch-hannoverschen Diensten. In der Schlacht bei Vellinghausen 1761 schlugen seine Truppen das französische Heer in die Flucht.

Preußen und seinen britisch-hannoverschen Alliierten standen im Siebenjährigen Krieg die Truppen der Österreichs, Frankreichs und Russlands gegenüber. Die Schlachtfelder lagen aber auch in den Kolonien in Nordamerika, Indien, in der Karibik sowie auf den Ozeanen, weshalb auch vom ersten „Weltkrieg“ der Geschichte gesprochen wird. Preußen, Österreich und Russland konkurrierten um Macht und Einfluss in Mitteleuropa. Für Großbritannien und Frankreich ging es daneben auch um die Vorherrschaft in Übersee.

In Preußen herrschte große Zustimmung zu Friedrich „dem Großen“. Für Giese und seine Nachfolger war der Verkauf derartiger patriotischer Genussartikel ein lohnendes Geschäft. Für Friedrich bedeuteten sie kostenlose Propaganda und Denkmalbildung. Für ihre Nutzer waren sie Zeichen ihrer vaterländischen Gesinnung. Nach Ende des Siebenjährigen Krieges verloren die Iserlohner Tabakdosen an Popularität und wurden ab 1777 nicht mehr hergestellt.

15. Januar bis 21. Februar 2016

 

Leuchtendes Vorbild

Edison-Glühbirne und Klingelknopf
Edison-Glühbirne
Klingelknopf

Leuchtendes Vorbild: Ein bewegliches Technikdenkmal im Museum Herxheim

 

Es lohnt sich immer genau hinzuschauen, wenn etwas ausrangiert werden soll, weil es alt und überholt scheint. Manchmal verbirgt sich hinter der Patina, unter den Schichten der Zeit, im Staub des Vergessens ein echter Schatz. Einen solchen Schatz der Technikgeschichte präsentiert das Museum Herxheim nun als sein neues „Besonderes Objekt“.

Im Jahre 1880 erhielt der Erfinder und Unternehmer Thomas Alva Edison ein Patent auf seine Glühlampe mit Kohlefaden, die nun eine alltagstaugliche Beleuchtung mittels Elektrizität zuließ und die erste ernstzunehmende Konkurrenz zu den damaligen Gaslampen darstellte. Innerhalb weniger Jahre machte Edison mit seiner „erhellenden“ Entwicklung und seiner „glühenden“ Leidenschaft für die Moderne aus einem Produkt, das wegen der geringen Lebensdauer der Glühfäden zunächst nur etwas für wenige Technikfans war, ein Aushängeschild der massenhaften Elektrifizierung von Haushalten.

Auch in Deutschland stellten jene, die die Zeichen der Zeit erkannten, von Gas auf Strom um. Eine Metzgerei in Schöningen zum Beispiel präsentierte ihre Fleisch- und Wurstwaren nun auch im Schein elektrischer Glühlampen. Eine 1887 eingebaute Glühlampe tat ihren leuchtenden Dienst in der Metzgerei – und dies über ein halbes Jahrhundert lang. Im Jahr 1958 wurde ausgemistet, renoviert und erneuert. Nach 70 Jahren wäre die Glühlampe fast im Müll gelandet. Sie wurde entdeckt und gerettet von Henning Kahmann, der sie nun dem Museum Herxheim als „Besonderes Objekt“ zur Verfügung stellt.

Diese Glühlampe besteht aus handgefertigtem Glas und einem Gewinde mit der damals schon existierenden Gewindenorm E 27 (Edison Screw) – und sie glüht noch heute! So wird sie ab dem 25. Mai das Museum Herxheim erhellen. Auf eine Halterung montiert, können die Besucher des Museums einen Knopf betätigen und den Draht zum Glühen bringen. Auch der  Keramikknopf stammt aus der Metzgerei und ist über 100 Jahre alt. Aus konservatorischen Gründen wird mittels eines Trafos allerdings nur ein schwaches Leuchten erzeugt.

Eine zweite Glühbirne von 1912 ist ebenfalls angeschlossen und zeigt eine jüngere Entwicklungsstufe auf dem Weg zur modernen Glühbirne. Da ihr Gewinde und die Verbindung zum Glühdraht korrodiert ist, kann dieser nicht mehr zum Leuchten gebracht werden. Stattdessen ist eine kleine LED-Leuchte eingebaut, die diese Glühlampe erleuchtet – mit dem derzeit neuesten Schritt in der Entwicklung der elektrischen Beleuchtung.

Das Museum Herxheim freut sich, mit einer fast 130 Jahre alten Glühbirne nach Edison-Patent ein noch voll funktionsfähiges Technikdenkmal als „Besonderes Objekt“ präsentieren zu können! Wer würde sich nicht wünschen, dass auch heutige technische Objekte eine so lange Lebensdauer hätten!

25. Mai bis 25. Oktober 2014

 

Bills Decke - Eine kleine, wahre Geschichte

Wilhelm Engel im Jahr 1931
Wilhelm Engel als Herxheimer Schüler 1931 - und mit "seiner" Decke im Museum Herxheim 2013

Vor über 70 Jahren ist sie ausgewandert. Nein, nicht die Decke, sondern die Familie Engel, aus Herxheim – waschechte Herxheimer Juden.

Die Engels haben vieles aufgeben müssen, damals, 1939, als sie wegen des NS-Terrors nach Amerika flüchteten: ihr Haus, ihre Tuchfabrik, ihre Freunde, ihre Heimat. Vieles mussten sie zurücklassen, aber die Decke ging mit, nach Amerika. Schließlich war sie in der eigenen Fabrik-Weberei „Wolff und Engel“ in der Oberen Hauptstraße 12 gewebt worden, und die Engels konnten schon stolz sein auf ihre Ware, schlicht und zeitlos im Aussehen, solide und von guter Qualität. So kam sie nach New York. Den 2. Weltkrieg und die Zeiten danach bis ins Jahr 2012 überstand die Decke unbeschadet im Hause des Sohnes Wilhelm – oder Bill, wie er in Amerika genannt wird.

Der wohnte bis 2012 ebenfalls in New York, im Stadtteil Queens, bis er beschloss, aus Altersgründen sein Haus zu verkaufen und mit seiner Lebensgefährtin Esther Bauer, die er vor wenigen Jahren kennen gelernt hatte, zusammen in eine betreute Seniorenwohnanlage zu ziehen.

Zu dieser Zeit waren meine Familie und ich bei Esther und Bill in New York zu Besuch, und Bill musste wegen des bevorstehenden Umzugs sein Haus ausräumen. Bei dieser Gelegenheit fiel ihm auch das gute Familienstück aus Herxheimer Zeiten wieder in die Hände und er bat mich, die Decke nach Herxheim mitzunehmen und dem Museum anzubieten.

Jetzt ist sie wieder da, wo sie ursprünglich herkam und von wo sie unfreiwillig weggehen musste. Heute legt sie im Museum Herxheim Zeugnis ab über ein Stück Familien- und Ortsgeschichte. Danke, Bill.

Text: Friedolin Baudy

Dieses "Besondere Objekt" erzählt aus diesem sehr ernsten Kapitel der Herxheimer Geschichte.

25. Oktober 2013 bis 9. Februar 2014

Scharfe Zierde: Ein Messer der Urnenfelderzeit aus Jockgrim

Urnenfelderzeitliches  Griffzungenmesser  aus   Jockgrim
Urnenfelderzeitliches Griffzungenmesser aus Jockgrim

Einen scharfen Fund machten Archäologen bei Grabungen in Jockgrim: In einer römischen Anlage tauchte überraschend ein reich verziertes Messer aus der späten Bronzezeit auf.

Nach dem Tabakschuppenmodell zeigt das Museum Herxheim ab Sonntag, 14. Oktober 2012, wieder ein „Besonders Objekt“ aus der Archäologie. Das Messer wurde in der Urnenfelderzeit hergestellt und benutzt und war für seinen Besitzer nicht nur ein Werkzeug, sondern auch eine Zierde, die er oder sie stolz am Gürtel tragen konnte.

Es ergänzt das neue „Besondere Objekt“ auch die aktuelle Sonderausstellung des Museums „hände formen ideen. Werkzeuggeschichte(n) zwischen Neolithikum und Antike“, die noch bis 13. Januar 2013 gezeigt wird.

Sonntag 14. Oktober 2012 bis Sonntag 13. Januar 2013

Aus Groß mach Klein: Ein Tabakschuppenmodell im Maßstab 1:10

Das besondere Objekt: Tabakschuppenmodell
Das besondere Objekt: Tabakschuppenmodell

Die Tabakschuppen zählen zu den größten Holzgebäuden der Region. Das Traggerüst, die Wände, der Dachstuhl, die Türen und Tore und Klappen: Alles ist aus Holz. Ausnahmen sind die Sockel (Beton), das Dach (Ton oder Eternit) und die Nägel (Stahl). Mit Holz konnte man schnell und günstig bauen. Einen solchen Schuppen hatte man in ein paar Tagen fertig gestellt. 

Im Inneren liegen viele lange Stangen, die von einem Giebel zum anderen reichen. Das sind die Rahmschenkel. Sie sind mit vielen Nägeln gespickt. Zwischen je zwei Rahmschenkeln hat man Schnüre („Tabakbandeliere“) aufgehängt, an denen die Tabakblätter aufgefädelt waren. 

Hat der Modellbauer nicht die Treppe vergessen? Keineswegs. Die meisten Tabakschuppen hatten keine Treppen. Man nutzte Leitern oder kletterte an den Stangen hinauf. Zum Arbeiten stellte man sich auf ein Brett, das auf den Stangen lag. Den Tabak zog man mit einer Winde an einem Seil hinauf. Die Arbeit war gefährlich und anstrengend, denn unter dem Dach war es oft sehr heiß. 

Dieses Modell stellt einen Tabakschuppen um 1960 dar. Erbaut hat es Bernd Persohn aus Hatzenbühl, einer traditionellen Tabakanbaugemeinde. Um 1660 begann man auch in Holland mit dem Bau von Tabakschuppen. In Herxheim sind viele Schuppen in den 1930er Jahren errichtet worden. Herxheim ist wahrscheinlich die Gemeinde mit den meisten Tabakschuppen in Europa.

 Text: Frank Sebastian Johner

Ein Bündel steinzeitlicher Knochennadeln

"Das besondere Objekt": Ein Bündel steinzeitlicher Knochennadeln
"Das besondere Objekt": Ein Bündel steinzeitlicher Knochennadeln

Ein Bündel steinzeitlicher Knochennadeln

In der neolithischen Grubenanlage von Herxheim fanden die Archäologen nicht nur zerstörte Töpfe und zerschlagene Menschenknochen. Vier feine lange Knochenspitzen waren nicht zerbrochen worden. Diese sehr fragilen Objekte hatte man gemeinsam niedergelegt, vielleicht in einem Beutel aus organischem Material, direkt an die Wand einer Langgrube.

Die nadelartigen Knochenspitzen sind kleine Meisterwerke und unterscheiden sich nur in Details. Dabei handelt es sich um echte Unikate; es gibt aus der bandkeramischen Kultur keine Vergleichsstücke.

Sie besitzen eine feine Spitze und am gegenüber liegenden Ende eine Art verbreiterte „Kopfplatte“. Das größte Stück ist bei einer Länge von 22 cm nur 0,25 cm dick. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass die Stücke – nach 7000 Jahren im Erdreich – mehrfach durchgebrochen und bei zwei Nadeln die Spitzen abgebrochen sind.

Die Rohstücke wurden mit einem Silexmesser aus Langknochen von Rind oder Rothirsch herausgetrennt. Anschließend wurden sie flächig geglättet und die Spitze und die „Kopfplatte“ zugeschliffen. Die sehr fein gearbeiteten Stücke belegen eindrucksvoll die handwerklichen Fähigkeiten der Menschen im Frühneolithikum.

Bemerkenswert ist, dass die Stücke unzerstört und gebündelt schräg an der Wand einer Langgrube lagen. Wahrscheinlich waren sie verschnürt oder in einem Beutel verpackt dort niedergelegt worden. Als sie 2008 entdeckt wurden, wurden sie in einem Block mit dem umgebenden Erdreich entnommen, um sie dann in der Werkstatt sorgfältig bergen zu können.

Die Funktion der Artefakte ist unsicher. Zwar ähneln sie Nadeln, doch dienten sie sicherlich nicht zum Vernähen von Textil oder Leder. Da sie sehr zerbrechlich sind, ist ein Einsatz als Werkzeug überhaupt unwahrscheinlich. Dagegen könnte es sich um Haarnadeln handeln. In eine hochgesteckte Frisur so eingeflochten, dass die breiten Enden herausschauten, gaben sie der Frisur Halt und – z. B. bei außergewöhnlichen Anlässen – ein besonderes Aussehen. Ein Anliegen, das bis heute nicht an Bedeutung verloren hat.

 

ab September 2011


Ein römischer Glaskrug aus einem Brandgrab der laufenden Grabungen im Herxheimer Gewerbegebiet West

"Das besondere Objekt": Ein römischer Glaskrug aus einem Brandgrab der laufenden Grabungen im Herxheimer Gewerbegebiet West
"Das besondere Objekt": Ein römischer Glaskrug aus einem Brandgrab der laufenden Grabungen im Herxheimer Gewerbegebiet West

Tracht und Schmuck vor 3500 Jahren

Beinberge aus Bronze aus dem Mittelbronzezeitlichen Grab
Beinberge aus Bronze aus dem Mittelbronzezeitlichen Grab
Repliken von Torsten Seifert

Eine „reiche Frau“ aus der Bronzezeit in Herxheim

 Präsentation der Funde beim "Tag der Herxheimer Archäologie 2016" - Opens internal link in current windowInfos hier

Bei den Ausgrabungen im Gewerbegebiet West in Herxheim wurde im Jahr 2013 ein Grab entdeckt, in dem eine Frau mit mehreren Schmuckstücken beigesetzt worden war.

Mit Hilfe des Schmucks kann die Bestattung in die Mittlere Bronzezeit (1600–1300 v. Chr.) datiert werden. In dieser Epoche beherrschen die Menschen in allen Regionen Mitteleuropas den Bronzeguss. Um die notwendigen Rohstoffe – Kupfer und vor allem das seltene Zinn – einzuführen, mussten sie weiträumige Handelsbeziehungen unterhalten. Am Ende dieser Epoche wurde auch der berühmte Goldhut von Schifferstadt vergraben.

Im Süddeutschland spricht man von der Hügelgräber-Bronzezeit, da über den Gräbern meist ein kleiner Hügel errichtet wurde. Frauen wurden oft mit Schmuck bestattet, gelegentlich aber auch mit Waffen (Schwerter, Dolche). Dabei lassen sich Unterschiede zwischen Reicheren und Ärmeren feststellen, aber auch regionale Unterschiede: In bestimmten Regionen waren „Trachten“ üblich, also regelhaft miteinander kombinierte Schmuckstücke.

Die Pfalz bildete dabei offenbar ein Bindeglied zwischen dem elsässischen „Trachtkreis“ und der Rhein-Main-Gruppe. Dies zeigt sich auch bei der Frau aus Herxheim: Sie trug eine Kette aus Bernstein- und Tonperlen am Hals, zwei Radnadeln zum Verschließen eines Umhangs, zwei Armspiralen und zwei sogenannte Beinbergen. Dieser Beinschmuck entspricht in Form und Verzierung jenem im Elsass, die Radnadeln dagegen sind typisch für die Rhein-Main-Gruppe. Ähnlich ausgestattet war aber auch eine Frau aus dem Raum Heilbronn.

Wie zuvor in der Steinzeit wurden Stoffe auf senkrecht stehenden Webstühlen gewebt, wobei die Kettfäden an Webgewichten aus Ton hingen. Verwendet wurden Leinen und Schafwolle. Da die Beinbergen wohl nicht unter einem langen Rock verborgen werden sollten, trugen die Frauen vermutlich höchstens wadenlange Röcke oder Leggings und die Beinbergen darüber. In anderen Regionen zeigen Bronzeröllchen, -spiralen usw. im Kopfbereich, dass sie auch Kopftücher, Hauben oder ähnliches trugen.

6. März 2016 - 24. April 2016

Tracht und Schmuck vor 3500 Jahren

Beinberge aus Bronze aus dem Mittelbronzezeitlichen Grab
Beinberge aus Bronze aus dem Mittelbronzezeitlichen Grab
Repliken von Torsten Seifert

Eine „reiche Frau“ aus der Bronzezeit in Herxheim

 Präsentation der Funde beim "Tag der Herxheimer Archäologie 2016" - Opens internal link in current windowInfos hier

Bei den Ausgrabungen im Gewerbegebiet West in Herxheim wurde im Jahr 2013 ein Grab entdeckt, in dem eine Frau mit mehreren Schmuckstücken beigesetzt worden war.

Mit Hilfe des Schmucks kann die Bestattung in die Mittlere Bronzezeit (1600–1300 v. Chr.) datiert werden. In dieser Epoche beherrschen die Menschen in allen Regionen Mitteleuropas den Bronzeguss. Um die notwendigen Rohstoffe – Kupfer und vor allem das seltene Zinn – einzuführen, mussten sie weiträumige Handelsbeziehungen unterhalten. Am Ende dieser Epoche wurde auch der berühmte Goldhut von Schifferstadt vergraben.

Im Süddeutschland spricht man von der Hügelgräber-Bronzezeit, da über den Gräbern meist ein kleiner Hügel errichtet wurde. Frauen wurden oft mit Schmuck bestattet, gelegentlich aber auch mit Waffen (Schwerter, Dolche). Dabei lassen sich Unterschiede zwischen Reicheren und Ärmeren feststellen, aber auch regionale Unterschiede: In bestimmten Regionen waren „Trachten“ üblich, also regelhaft miteinander kombinierte Schmuckstücke.

Die Pfalz bildete dabei offenbar ein Bindeglied zwischen dem elsässischen „Trachtkreis“ und der Rhein-Main-Gruppe. Dies zeigt sich auch bei der Frau aus Herxheim: Sie trug eine Kette aus Bernstein- und Tonperlen am Hals, zwei Radnadeln zum Verschließen eines Umhangs, zwei Armspiralen und zwei sogenannte Beinbergen. Dieser Beinschmuck entspricht in Form und Verzierung jenem im Elsass, die Radnadeln dagegen sind typisch für die Rhein-Main-Gruppe. Ähnlich ausgestattet war aber auch eine Frau aus dem Raum Heilbronn.

Wie zuvor in der Steinzeit wurden Stoffe auf senkrecht stehenden Webstühlen gewebt, wobei die Kettfäden an Webgewichten aus Ton hingen. Verwendet wurden Leinen und Schafwolle. Da die Beinbergen wohl nicht unter einem langen Rock verborgen werden sollten, trugen die Frauen vermutlich höchstens wadenlange Röcke oder Leggings und die Beinbergen darüber. In anderen Regionen zeigen Bronzeröllchen, -spiralen usw. im Kopfbereich, dass sie auch Kopftücher, Hauben oder ähnliches trugen.

6. März 2016 - 24. April 2016