Ritual und Religion im Altneolithikum

Typische bandkeramische Hockerbestattung aus der Siedlung Herxheim
Typische bandkeramische Hockerbestattung aus der Siedlung Herxheim
"Venus von Herxheim" - ein Fragment einer Tonfigur

Die ersten mitteleuropäischen Ackerbauern - die Träger der Bandkeramischen Kultur - führten nicht nur eine neue Wirtschaftsweise ein und veränderten durch Rodungen, die Anlage von Feldern und den Bau von Langhäusern die Landschaft. Sie besaßen auch starke kulturelle Traditionen und wahrscheinlich religiöse Vorstellungen. Diese Vorstellungen und ihre Kulturtraditionen bestimmten z.B. die Rituale mit, mit denen die Toten bestattet wurden.

Zahlreiche kleinere und wenige größere Gräberfelder der Bandkeramischen Kultur wurden ausgegraben, auf denen die Toten in einfachen Erdgruben bestattet worden waren. Die meisten Toten wurden dabei auf die Seite gelegt, mit angezogenen Armen und Beinen - sogenannte "Hockerbestattungen". Ob diese Körperhaltung der Bestatteten Schlaf oder eine Babyhaltung symbolisieren soll, bleibt Spekulation. Deutlich seltener wurden Tote auf dem Rücken liegend und ausgestreckt bestattet oder zuvor auf einem Scheiterhaufen verbrannt und dann die verbrannten Knochen in eine Grabgrube gelegt. Gelegentlich wurden Tote auch innerhalb einer Siedlung bestattet - so auch in Herxheim.

In den Bereich der religiösen Vorstellungen und rituellen Handlungen gehören wahrscheinlich auch die Tonfigürchen oder "Idole", die manchmal in bandkeramischen Siedlungen gefunden werden. Auch die "Venus von Herxheim" ist eine solche Figurine, und wie die allermeisten ist auch sie absichtlich zerbrochen worden, bevor sie im Boden deponiert wurde. Erhalten ist der Unterleib der Figur: deutlich als weiblich erkennbar und verziert mit feinen Kerben. Was diese Figürchen darstellten und warum sie zerbrochen wurden, ist unklar, jedoch sind sie ein schönes Zeichen für die Geistes- und Symbolwelt der ersten Bauern unserer Region.