Wohnen und Wirtschaften in der Bandkeramik

Im feuchtwarmen Klima des frühen Neolithikums lebten die Menschen der Bandkeramik als Bauern und Viehzüchter. Die Wahl eines Siedlungsplatzes hing für sie von vielen verschiedenen Faktoren ab.

Neben fruchtbarem Lössboden für den Ackerbau und der Nähe von Gewässern zur Wasserversorgung war auch das Vorhandensein von ausreichend Baumaterial für den Hausbau notwendig. Neben der Menge des Baumaterials spielte auch seine Qualität ein Rolle: Für hohe Firstpfosten und lange Dachpfetten waren gerade gewachsene Stämme mit wenigen Seitenästen besonders geeignet. Solche Bäume wachsen vor allem in dichten Wäldern mit engstehendem Baumbestand; Tannen waren dagegen kaum vorzufinden. Die Lössböden waren vor allem von Opens internal link in current windowEichen-Linden-Ulmen-Wäldern mit nur wenigen Nadelbäumen geprägt. Die Bandkeramiker legten ihre Siedlungen also wahrscheinlich in der Nähe von oder sogar in dichten Wäldern an, wo ausreichend geeignetes Baumaterial verfügbar war. Wenn möglich lagen die Siedlungen in leichten Hanglagen, so dass sie besser vor Hochwasser geschützt waren. In der Nähe floss meist ein Bach für die Versorgung mit Frischwasser; Opens internal link in current windowBrunnen wurden offenbar selten angelegt.

Aber nicht nur die Lage des Siedlungsplatzes an sich, auch die der einzelnen Häuser war den Bandkeramikern sehr wichtig. Die Häuser waren stets in Nordwest-Südost-Richtung ausgerichtet, so dass keine Langseite der Häuser, sondern der nordwestliche Giebel der Witterung ausgesetzt war. Dadurch verhinderte man, dass Wind und Regen auf das Dach drückten und die Dachdeckung aus Stroh, Holz, Rinde oder ähnlichem schnell verwitterte.

Die ersten angebauten Kulturpflanzen des Neolithikums veränderten sich im Zuge ihrer Opens internal link in current windowDomestikation stark. Die ersten Weizenformen waren beispielsweise noch diploid und bespelzt, im Laufe der Zeit entwickelten sich aber hexaploide unbespelzte Kulturformen.

Während der Bandkeramik wurden hauptsächlich die beiden Weizenarten Einkorn und Emmer angebaut. Der Anteil des Einkorns war dabei aufgrund seiner besseren Wetterfestigkeit höher, obwohl er einen niedrigeren Ertrag als andere Getreidesorten lieferte.

Neben Getreide wurden auch Hülsen- und Ölfrüchte angebaut. Erbsen und Linsen dienten dabei als Lieferanten für Kohlehydrate und Eiweiße, Lein wahrscheinlich zur Gewinnung von Öl, mit Sicherheit aber für Fasern. Schlafmohn konnte ebenfalls archäologisch für die Bandkeramik nachgewiesen werden. Er kann als Rauschmittel wie auch als Heilpflanze oder zur Ölgewinnung genutzt worden sein. Aber nicht nur derartige Kulturpflanzen, auch Wildpflanzen wie beispielsweise die Kornelkirsche oder die Physalis wurden in der Bandkeramik genutzt.

Mit dem Anbau der Kulturpflanzen sorgten die Bauern auch für eine Ausbreitung von Archäophyten.

Somit spiegeln auch die Wahl des Siedlungsplatzes, die Art des Hausbaus sowie die Entwicklung und der Anbau der Kulturpflanzen die gegenseitige Einflussnahme von Mensch und Natur wider.