Der Mensch und das Wasser: Brunnen der Bandkeramik

Bandkeramische Brunnen
Bandkeramische Brunnenfunde in Zusammenhang mit dem Vorkommen fruchtbarer Lössböden. Die Fotos oben zeigen verschiedene Konstruktionsweisen bandkeramischer Brunnen (oben) aus ausgehöhlten Baumstämmen (B, C) oder als viereckiger Brunnenkasten (A, C, D) (aus: Tegel et al. 2012, 2 Fig. 1).

Für die bandkeramischen Brunnen sind bisher zwei verschiedene Konstruktionsweisen nachgewiesen: In Form eines viereckigen Brunnenkastens aus gespaltenen und bearbeiteten Bohlen oder röhrenförmig aus ausgehöhlten Baumstämmen mit großem Durchmesser.

Bisher konnten archäologisch etwa zwei Dutzend Brunnen sicher in bandkeramischen Siedlungen nachgewiesen werden. Viele Siedlungen scheinen keinen Brunnen besessen zu haben. Warum in der Bandkeramik anscheinend nur in seltenen Fällen Brunnen gebaut wurden, obwohl die Menschen die Technik des Brunnenbaus beherrschten, ist noch nicht abschließend geklärt. Besondere Funde aus bandkeramischen Brunnen, wie Niederlegungen von aufwändig verzierten intakten Keramikgefäßen, deuten aber darauf hin, dass Brunnen in der Bandkeramik nicht unbedingt oder ausschließlich zur Wasserversorgung gedient haben müssen. Es ist möglich, dass sie eine Rolle bei der Ausübung religiöser Praktiken spielten. Dafür spricht teilweise auch die Lage der gefundenen Brunnen etwas abseits der Häuser des zugehörigen Weilers.

Für die Archäologie sind Brunnen ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bieten sie durch ihr feuchtes Milieu oft eine besonders gute Erhaltung von organischen Funden, die sich normalerweise nur sehr schlecht oder gar nicht erhalten, und liefern uns somit spannende Einblicke in die materielle Kultur der Bandkeramik. Andererseits ist die Bergung von Brunnen und ihrem Inhalt sehr zeitaufwändig und teuer. Die außergewöhnlichen Funde, die bisher in bandkeramischen Brunnen gemacht wurden, wie beispielsweise eimerähnliche Gefäße aus Rinde, Steinwerkzeuge mit ungewöhnlicher Holzschäftung oder Keramiktöpfe mit einem Überzug aus Birkenteer und Intarsien aus Birkenrinde, machen aber deutlich, dass sich der Zeit- und Kostenaufwand lohnt. 

 

Abb. aus: W. Tegel/R. Elburg/D. Hakelberg/H. Stäuble/U. Büntgen, Early Neolithic Water Wells Reveal the World’s Oldest Wood Architecture. PLOS ONE 7, 12, 2012, 1-8.