Der Mensch und die Milch: Entstehung der Laktosetoleranz/Laktasepersistenz

Verteilung der Laktassepersistenz
Verteilung der Laktasepersistenz in Prozent der Bevölkerung (aus: Curry 2013, 21).

Ursprünglich konnten die meisten Menschen nach dem Abstillen keine Milch mehr vertragen, weil das Enzym (Laktase) zur Spaltung des Milchzuckers (Laktose) dann nicht mehr gebildet wird.

Seit etwa 30.000 Jahren gibt es aber eine Mutation im Genpool des Menschen, die auch den Milchkonsum im Erwachsenenalter ermöglicht. Menschen mit dieser genetischen Variante produzieren auch noch nach dem Kleinkindalter das Laktase-Enzym und können Milch daher problemlos verdauen. Weltweit können heute etwa 35 % der Menschen Laktase bilden und Milch und Milchprodukte genießen.

Diese sogenannte Laktasepersistenz hat sich wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Aufkommen der Milchproduktion vor allem in Europa etwa Opens internal link in current windowseit 8.000 Jahre vor heute verbreitet. Als Grund für die Verbreitung der Laktasepersistenz macht man unter anderem die Tatsache verantwortlich, dass die Vitamin-D-Produktion im menschlichen Körper vor allem im sonnenarmen Nordeuropa oft nicht zur Deckung des Bedarfs ausreicht. Menschen, die zusätzliches Vitamin D, neben anderen Nahrungsmitteln wie Fisch, auch durch den Verzehr von Milchprodukten aufnehmen konnten, hatten so möglicherweise einen Selektionsvorteil gegenüber laktoseintoleranten Menschen. Möglicherweise liegt deshalb die Zahl der Menschen mit Laktasepersistenz in West- und Nordeuropa bei 62-96%, in Süd- und Osteuropa dagegen nur bei 15-54%, im Nahen Osten und Ostasien ist sie sehr gering.

Der Mensch verändert also nicht nur die Opens internal link in current windowNatur, auch sein eigenes Erbgut passt sich an neue Lebens- und Wirtschaftsweisen an.

 

Abb. aus: A. Curry, The milk revolution: When a single genetic mutation first let ancient Europeans drink milk, it set the stage for a continental upheaval. Nature 500, 2013, 20-22.